Freitag, 4. April 2014

Mein Kind - Mein Mini-Me

Mein Kind nervt. 

Jetzt lesen das einige und denken "Wer bitte sagt, dass sein eigenes Kind nervt?! Die hat ja voll den Schaden!". Ja, bitte, dann habe ich einen. Und wisst ihr, was mich am meisten nervt? Dass mein Kind so ist wie ich. Mein Sohn hält mir tagtäglich ein Spiegelbild vor und ich sehe wie ätzend ich sein kann, wie nervig und er zeigt mir Dinge, die ich nicht sehen will. 

Er knallt Türen, wenn er wütend ist, wird schnell bockig, guckt mich böse an, wenn es nicht nach seinem Kopf geht (das ist MEIN böser Blick und ich hasse es ihn selbst zu bekommen), will alles alleine machen und rastet dann förmlich aus, wenn es nicht so klappt wie er es gerne hätte, will am besten alles gleichzeitig, sofort und ändert manchmal mitten drin seine Meinung dazu. Was er nicht will, macht er extrem gut deutlich und was er will noch mehr. Geht etwas kaputt, was ihm irgendwie wichtig war (und wenn es eigentlich nur so ein Quatsch war) dann bricht eine Welt zusammen, sucht er etwas ganz dringend und kann es nicht finden wird er sofort wütend. Und ganz wichtig: Er hat immer recht!
Kurzum: Das bin ich. So war ich auch schon als Kind, die Ungeduld in Person. 

Tatsache ist, was ich mache, macht mein Kind mir nach. Möchte ich, dass mein Kind sich verändert muss ich mich mit verändern. Entspannte Eltern haben (zumindest größtenteils) entspannte Kinder, sagt man ja. Und dieser kleine Mini-Me erinnert mich dauernd daran, dass ich entspannter sein sollte.

Aber wann fängt entspannt sein an?
Gute Frage. Ich suche immer noch nach einer Antwort. Wer sie hat, bitte melden!

Ich weiss, dass ich ruhiger sein sollte, nicht ganz so temperamentvoll, empfindlich, zickig, nicht immer so übertrieben auf manche Dinge reagieren sollte und vor allem geduldiger werden muss.  Es ist nur schwer mir das alles nach 30 Jahren abzugewöhnen. Es ist schon besser mit mir geworden, ich bin da bereits auf einem guten Weg und so komplett verändern möchte ich mich auch nicht, dann wäre ich ja nicht mehr ich. Und mal ganz ehrlich: Ohne mich wäre es total langweilig für einige ;)

Zusammen ergeben wir auch garantiert eine lustige Mischung, eine Bomben-Stimmung sozusagen, aber mal im Ernst: Ich möchte eigentlich gar nicht so sein. Ich erschrecke mich jedes mal, wenn ich mich selbst erkenne und es nervt. Es macht mich wütend und traurig über mich selbst. Ich sehe so, wie ich auf andere wirken muss und das möchte ich so eigentlich gar nicht. 

Und weil wir uns beiden gegenseitig so auf die Nerven gehen ändern wir das jetzt. Wir finden das beide nämlich total doof so zu sein. Nur den bösen Blick, den behalten wir, denn den kann nicht jeder. Den haben wir von Oma (meiner Mama) übernommen und geben ihn weiter ;)

Mittwoch, 2. April 2014

Ist mein Kind normal?

Diese Frage habe ich mir oft gestellt und erwische mich selbst jetzt, nach 4 Jahren, manchmal dabei mir sie wieder zu stellen.

Es fing schon an bei der Geburt: Kaiserschnitt, 54 cm, ca. 3.500 Gramm. Geburt nicht normal, zu groß, zu schwer. Wurde nicht gestillt. Auch nicht normal. Dann ging es weiter in der Entwicklung: "Waaas?! Er ist 3 Monate und kann sich noch nicht drehen?", "Bitte?! Er ist 6 Monate und kann nicht sitzen?! NICHT normal!". 
So zieht es sich durch wie ein roter Faden. 
Das erste Jahr habe ich dieses "Spiel" noch mitgemacht, war besorgt, habe gelesen, recherchiert was mein Kind können muss, ob das normal ist oder nicht, saß so oft heulend aus purer Überforderung zu Hause, weil ich mithalten wollte mit den "normalen" Kindern. 

Als Leo in die Krippe ging hörte das alles schlagartig auf. Mir wurde versichert, mein Kind sei völlig normal, gesund, glücklich und zufrieden, ich würde alles richtig machen. Auch die Dame, die damals beim Kinderarzt die U's machte versicherte mir, dass alles normal sei. Es ging runter wie Öl! Ich war erleichtert, entspannt, kam zur Ruhe, war zufrieden. 

Dennoch hatte und habe ich Zweifel. Bei der U-Untersuchung letztes Jahr war plötzlich eine neue Ärztin da. Alles lief anders als sonst, sie beobachtete mein Kind anders, sah nur Momentaufnahme und da war es wieder: Das Gefühl der Angst, dass irgendwas nicht normal sei, dass irgendwas nicht so ist, wie es sein soll. Tatsächlich hatte sie etwas gefunden: Die Schultern meines Sohnes neigen leicht nach vorn, liegt in der Familie. Mir wurde allerdings dann erklärt, das hätte damit nichts zu tun, mein Kind würde nie draussen spielen und vor allem nicht klettern. Als ich versuchte zu erläutern, dass das gar nicht stimmen kann, da braucht sie sich ja nur seine Schienbeine anschauen, wurde ich unterbrochen. Sie könnte das schließlich als Ärztin sehen, ich könne ja viel erzählen. Peng! Das saß! Ich hatte damals keine Lust zu diskutieren, ich wollte nur raus. Ich habe mir die restliche Streiterei gespart und nichts mehr dazu gesagt. Natürlich war ich sauer und verletzt. Vor allem kam ich mir vor wie ein kleines Kind, dass nichts zu melden hat, dabei ging es da gerade um MEIN Kind. 

Die U-Untersuchung dieses Jahr war noch schlimmer. Ich hatte Angst davor, ja Panik. Mir war vorher schon schlecht, weil ich nicht wusste, was genau auf uns zukommt und wie mein Sohn darauf reagieren wird. Ich wäre gern zu einem anderen Arzt gegangen, aber die Auswahl hier vor Ort ist leider nicht groß und die Wartelisten leider sehr lang. 
Also dachte ich, gut, es ist nur eine U. Was kann da groß passieren, er hat ja nichts, er ist ja normal entwickelt. 

Da waren wir also zum ersten Teil der U8. Leo wollte lieber im Wartezimmer spielen anstatt seine Jacke auszuziehen, also ging er in voller Montur mit mir mit ins Sprechzimmer. Fand die Dame schon nicht toll. Auch, dass er unbedingt an meine Hand wollte, fand sie nicht gut, konnte man am Gesichtsausdruck erkennen. 
Er sollte sich ohne große Begrüßung oder Kennenlernen auf einen Stuhl setzen an ihrem Schreibtisch. Wollte er nicht, er wollte auf meinen Schoß. Dann legte sie ihm stumpf einen Zettel mit Stift hin mit den Worten "Mal mal einen Kreis!" Jeder kann sich denken, dass er das natürlich nicht gemacht hat. Er wollte weg. Das wiederholte er auch ständig und ich konnte das durchaus verstehen. Sie konnte das nicht verstehen und wurde ungeduldig. Sie hätte keine Zeit für so etwas, da würden noch andere Kinder warten. 
Den Hörtest hat Leo mit ach und krach gemeistert, genau wie den Sehtest. Balancieren wollte er nicht mehr und so unliebevoll wie er behandelt wurde und alles aufgebaut war konnte ich auch das verstehen. Ich hätte das alles auch nicht gemacht unter diesen Bedingungen, zumal für diese U8 nur 30 Minuten eingeplant wurden, was ich persönlich sehr wenig finde, da Seh- und Hörtest schon viel Zeit in Anspruch nehmen.
Ich hatte ihn mit allen Mitteln versucht zu locken, dass er mitmacht. Ich wollte auch diesmal wieder erläutern, dass er das alles kann, dass ich das weiss, aber mir wurde nicht zugehört. Kann ja jeder sagen. Jede Mutter sagt, dass ihr Kind alles kann war die Antwort darauf. Ja, das stimmt auch irgendwie, trotzdem möchte ich angehört werden. Es ist doch MEIN Kind und wenn es nicht für sich sprechen will und mich flehend anguckt, dann MUSS ich das doch tun.

Unsere Unterlagen wurden einbehalten. Ich habe mir dabei erst nichts gedacht, ich wollte nur nach Hause. Ich habe mein Kind selten so erlebt, das war wirklich mal nicht normal, so still, in sich gekehrt, verunsichert, ängstlich. Ich war nass geschwitzt und total durch, genau wie er. 

Als wir zu Hause waren und mein Mann mich fragte wie es war, fing ich an zu heulen, weil die ganze Anspannung abfiel. Als ich erzählte, dass sie unsere Unterlagen einbehalten hatten, kam die Panik. Das würde ein Nachspiel geben, denn eigentlich dürfen sie das doch nicht? Wir waren uns nicht mehr sicher. Wir waren mit nichts mehr sicher.

Unser Sohn ist 4. Schon 4, aber irgendwie auch erst 4. Es wird plötzlich so viel von ihm erwartet, ich frage mich ob es richtig ist, so viel von einem 4 jährigen zu erwarten. Kinder mit 4 sollen nicht mehr fremdeln wurde mir erklärt. Er fremdelt nicht, er ist schüchtern und braucht manchmal eine gewissen Zeit um "aufzutauen". Ist das so schlimm? Müssen alle Kinder zu dieser U kommen oder in einen Raum und ALLE mögen und sofort rumspringen. Es gibt Kinder, die das tun, finde ich toll. Meiner tut es nicht und das ist genau so in Ordnung.

Ich habe nach dieser U die ganze Nacht wach gelegen und mich wieder gefragt: Ist Leo normal? Haben wir alles richtig gemacht? Warum war dieser Arztbesuch so? Was hätte ich anders machen können? Er ist doch sonst so ein glückliches Kerlchen....

Am nächsten morgen habe ich mir unsere Unterlagen geholt. Das Gespräch in der Arztpraxis war nicht schön. Mir wurde sehr viel vorgeworfen, was definitiv nicht stimmt. Ich werde das hier nicht ausführen, aber es war schon ein sehr heftiger Umgangston, der dort herrschte. 

Wir haben den Arzt gewechselt, die U8 wurde wiederholt. Mein Sohn ist völlig normal und bestens entwickelt. 

Ich verstehe den Sinn hintern den U's und ich finde es gut und wichtig, dass es sie gibt. Die Umsetzung hapert nur leider bei vielen Ärzten und der Druck, der auf einem lastet ist verdammt groß. Es würde mich und auch ganz bestimmt viele andere freuen, wenn man ihn vermeiden könnte. 

Ein Schritt in die Richtung wäre auch, wenn Mütter sich nicht gegenseitig total bekloppt machen würden, was ihr Kind alles kann und das andere nicht. 
Wann ein Kind krabbelt, wenn überhaupt, läuft, spricht, hüpft, malt, etc. ist doch egal solange es gesund und glücklich ist.  

Mein Sohn ist zum Beispiel ein kleiner Eigenbrötler. Er hat seine zwei Freunde mit denen er gerne mal nachmittags spielt, aber neue Kinder einladen? Nein. Auch nicht, die die er kennt aus dem Kindergarten. Er möchte das nicht. Schlimm? Nein. Normal? Für ihn ja. Für andere unverständlich. So ist er aber, und er ist gut so, denn er kann seinen Willen klar formulieren und wir belassen es dabei. Wenn das ein Kind nicht stärkt, dann weiß ich auch nicht...

Und was ist denn schon normal? Sind wir normal? Müssen wir normal sein? Wer schreibt uns das vor? Warum also so einen Zwang bei Kindern herbeiführen. Kind sein ist die schönste Zeit des Lebens. Sie sollten es geniessen.



Dienstag, 18. März 2014

An alle doofen Hundebesitzer!

Ich muss diesen Post dazwischen quetschen! Ich wollte zwar nix über Hunde und Kinder schreiben, aber ich bin so sauer!!! 

Wir leben in dieser ach so tollen Waldgemeinde, in der alles sooooo schön grün ist und ein Affentheater gemacht wird, weil ein paar Bäume abgeholzt werden um einen Supermarkt zu bauen, weil ja jeder blöde Ast heilig ist. 

Aber mal die Hundehaufen weg machen, die der eigene Hund produziert, dafür sind wir uns zu fein. Ist ja ekelig! Ja, genauso ekelig ist es auch, wenn ein Hundehaufen vor meiner Tür liegt. Oder im Abstand von einem Meter hintereinander bis zum Spielplatz Riesenhaufen, teilweise mitten auf dem Gehweg. 

Auf dem Spielplatz finden wir dann überall verteilt sowas hier: 



Kommt sehr gut an auf einem Spielplatz. Finden mein Sohn und ich total toll, besonders wenn wir da Fußball spielen wollen. In Hundescheiße fallen macht total Spaß! 
Und richtig gut finde ich es, wenn ich mit einem Hundewelpen auf den Spielplatz komme und SOFORT eine Standpauke bekomme, dass dort Hundekacke liegt. Tja, MEIN Hund war das nicht. Und wenn er da hin macht, mache ich es weg. So steht es auch in der Verordnung der Gemeinde. Es gibt sogar extra kostenlose Müllbeutel!!!

Außerdem herrscht auch hier in vielen Teilen der Waldgemeinde eine Anleinpflicht. Hat wohl Gründe, sollte man vielleicht einhalten. 
Ich fand es schon bevor wir einen Hund und ein Kind hatten auf gut Deutsch gesagt scheisse, wenn die Hunde ohne Leine rumgelaufen sind. Und das Argument "Der tut ja nix" ist genauso scheisse!

Achtet bitte auf die Leinenpflicht und macht die Haufen Eurer Hunde weg! Das ist ekelhaft! Besonders auf den Spielplätzen!!! Dort spielen auch EURE Kinder!!!!

Und den Müll, den ihr schön alle in die Büsche schmeißt, könnt ihr auch mal woanders entsorgen. Hier stehen alle 2 Meter Mülleimer!!! Das sind keine Deko-Objekte!

So. Das musste jetzt mal raus nachdem wir wieder beinahe in gefühlte 1 Millionen Haufen getreten sind und wieder überall Müll entdeckt haben.

Montag, 17. März 2014

Familienleben mit Hund. Oder: Das totale Chaos.

Wer es schafft ein Kind zu erziehen, schafft das auch bei einem Hund. Und andersrum garantiert auch. Große Unterschiede sind da teilweise nicht. Anstatt meinem Sohn hinterherzulaufen und zu gucken, dass er keinen Mist baut, laufe ich jetzt dem Hund hinterher. Manchmal auch beiden. Mein Sohn ist seit über einem Jahr trocken, der Hund aber nicht, also wische ich jetzt diese Pippiflecken weg (und manchmal auch Haufen). Ich rufe beide dauernd zu mir und wenn es still wird rufe ich auch mal etwas lauter BEIDE Namen und manchmal (es passiert, sehr selten, aber es passiert) kommen tatsächlich beide um die Ecke und schauen mich groß an. Baut der eine keinen Mist, dann tut es eben der andere. Ich räume wieder Spielsachen um und weg, stelle bestimmte Sachen höher ins Regal, habe meine Ohren überall und meine Augen sowieso. Mein Sohn hat es gelernt, mal alleine in einem Raum zu sein, der Hund lernt es jetzt. Und wenn wir beide nur kurz alleine lassen (niemals ganz, ich weiß, einer von uns ist immer in der Nähe, wir befinden uns höchstens mal in einem anderen Raum) dann nimmt das Chaos seinen Lauf. Es entwickelt sich eine Eigendynamik, die manchmal sehr schwer zu bremsen ist. Zwei Kleinkinder im Spielmodus eben. Es passiert dann durchaus mal, dass ich "Leonard, AUS!" rufe oder die Namen vertausche. Gestern wollte ich sogar Leonard ins Körbchen schicken und Charlie nach oben ins Zimmer, daraufhin mussten wir aber alle lachen und konnten nicht aufhören. 

Es ist bei uns momentan absolut chaotisch. Wir sind etwas gestresst, weil wir Kind und Hund erziehen, denn ein 4jähriger ist auch nicht ohne. Wer jemals behauptet hat, wenn die Kleinen älter sind wird es einfacher, hat gelogen! Definitiv! Es wird nur anders, aber nicht einfacher. 

Wir wollten es so. Wir lieben es so. Wer uns kennt weiß mittlerweile: In unserer Familie wird es nie langweilig. Wenn einmal Ruhe einkehrt hält sie nicht lang, wir wagen uns immer irgendwie in jedes Abenteuer, dass man im normalen Alltag erleben kann. Und irgendwann werden wir abends mit einem Glas Wein auf der Terrasse sitzen (ich hoffe bis dahin ist sie fertig) und darüber lachen, was wir alles gemacht haben und wie wir es gemacht haben. "Weisst Du noch damals, als der Hund überall hingemacht hat, Spielsachen gemopst hat und Leo ihm gesagt hat 'Hör auf, sonst gehste wieder da hin wo de hergekommen bist, Du Nuss!' Das waren Zeiten...." 

Ach, was wird das schön sein später, wenn es ruhig wird bei uns.... Oder auch nicht... ;)

Montag, 10. März 2014

Hallo, neues Familienmitglied!

Lange nicht hier gewesen und doch alles wiedererkannt! Ich schaffe es erst jetzt wieder mal zu bloggen, weil ich vorher einfach keine Zeit hatte, denn es hat sich viel geändert bei uns. Wir haben nämlich seit 3 Wochen ein neues Familienmitglied. Einen Hund. Einen Sheltie um genau zu sein. 





Das ist Charlie. Er ist jetzt fast 12 Wochen alt und stellt unsere Welt etwas auf den Kopf. Wir wollten schon sehr lange einen Hund, schon bereits bevor unser Sohn geplant war. Da war unsere Wohnung allerdings zu klein und wir hatten nicht so viel Zeit, es sprach einfach immer was dagegen. Jetzt haben wir ein Haus mit einem großen Garten, ich habe etwas mehr Zeit, wo Leo größer ist und ja, ich gebe es zu, ich brauche diesen Hund. 

Ich habe es lange lange Zeit nicht wahrhaben wollen, selbst eine gute Freundin aus Kindertagen hat mir gesagt ich soll mir einen Sheltie holen und es geht mir besser. Recht hatte sie. Ich habe mich einige Zeit gesträubt und dachte ich schaffe das alles nicht, Haus, Arbeit, Kind und Hund. Ja, es ist schwer alles unter einen Hut zu bekommen und ich gehe an manchen Tagen echt massiv an meine Grenzen, aber ich habe eine Aufgabe. Das mag sich für manche blöd anhören, denn theoretisch habe ich genug Aufgaben mit dem Haus, der Arbeit und meinem Sohn Leonard. Praktisch ist es aber so, dass der Haushalt irgendwann erledigt ist, die Arbeit auch und ich mich dort auch wieder erst neu zurecht finden muss, Leo immer selbstständiger wird und vormittags in den Kindergarten geht. Die Zeit dazwischen ist das Schlimme. Dieses Sitzen und Denken, eine Beschäftigung suchen, die ich wirklich machen will und dann auch mache, dieses Aufraffen um zu leben. 
Für die, die das nicht verstehen: Ich habe im Juli 2012 mein zweites Kind verloren. Er verstarb zwei Tage vor dem Geburtstermin und seit dem ist mein Leben anders. Ich gebe es nicht immer gerne zu, aber ich war schwer depressiv und es gibt Tage, da holt mich das alles auch wieder ein. Einfach "leben" ist da nicht so einfach. Wenn ich keine festen Abläufe oder Aufgaben habe, dann falle ich ganz, ganz tief. 

Jetzt habe ich aber diesen kleinen frechen und auch zuckersüßen Wollknäuel an der Backe. Und sobald ich nur einmal kurz sitze und weine, oder in meine alten depressiven Muster falle, dann sitzt er sofort bei mir und tippt mich mit seiner kleinen süßen Schnute an. Kann ich da noch traurig sein? Nein. 

Es ist definitiv anstrengend mit einem Welpen im Haus. Es ist so ein bisschen wie mit einem Baby. Alles ändert sich, wir müssen uns alle daran gewöhnen, haben einen anderen Tagesablauf, können momentan nicht so leben wie vorher, was sich ja auch irgendwann wieder ändern wird, aber wir sind sind alle vier glücklich. Leonard liebt Charlie ohne Ende, Charlie liebt Leonard und zusammen bauen sie nur Mist, ich bin nicht allein und habe eine Aufgabe. 

Dieser Hund wird meinen jüngsten Sohn natürlich nicht ersetzen. Aber er hilft mir wieder zu leben. Und zu vergessen. Er beschäftigt mich und lenkt mich ab. Wer weiß wofür das gut ist? 

Ihr werdet hier also ab und an jetzt auch ein paar Hundegeschichten lesen. Wenn das nicht lustig wird hier, dann weiss ich auch nicht ;)




Freitag, 7. Februar 2014

Muttersein

Die Stadt, Land, Mama's haben kürzlich auf ihrer Facebookseite gefragt: "Bist Du die Mama geworden, die Du immer werden wolltest?". Hm, da saß ich also vorm Laptop und dachte nach. Irgendwie nicht und irgendwie schon. Mich hat diese Frage tatsächlich länger beschäftigt. Wie wollte ich eigentlich sein, wenn ich mal Mutter werde? Ein Mischmasch aus meiner Mutter, meiner Oma und meiner Tante, die mich quasi mit großgezogen hat, und wie meine Cousine mit meinen Patenkindern. Dachte ich. Das war jedenfalls immer der Plan, die Vorstellung. Ich hatte da, wie man erkennen kann, ziemlich klare Ziele und Strukturen. Dann wurde ich tatsächlich schwanger und habe mir das alles auch so ausgemalt und vorgestellt. Die erste Zeit war wirklich toll. Laut Krankenhaus und Kinderarzt ein sogenanntes "Einsteigerbaby", absolut pflegeleicht. Alle 4 Stunden Milch trinken, Windel voll machen, schlafen, mit 3 Wochen im eigenen Zimmer (wir haben ihn offensichtlich genervt, denn bei uns schlief er sehr unruhig) fast komplett durchgeschlafen. 

Dann wurde er älter und schnell. Leonard war immer etwas auf der Überholspur. Ich möchte damit nicht angeben und sage auch nicht, dass er hochbegabt ist oder irgendwie so etwas in der Art, er war, und ist es immer noch, etwas schnell in manchen Dingen, wie viele andere Kinder allerdings auch, er ist da nicht aussergewöhnlich. Er ist zu schnell gewachsen, das tut er auch heute noch, und das hat mir das Leben am Anfang etwas schwer gemacht. Denn, wenn zu der "schnellen Art" noch ein riesengroßer Dickschädel kommt ( den einige von Euch ja sicherlich auch kennen), dann kann das echt an die Nerven gehen. Er wurde/wird immer älter geschätzt als er ist und somit wird mehr von ihm erwartet. Damit war mein Plan erstmal dahin. Ratschläge von allen Seiten von Tag 1 seiner Geburt haben mich absolut verunsichert. 
Schon bereits vor der Geburt gab es diverse "Kritiker" gegenüber meinen Entscheidungen. Ich wollte einen Kaiserschnitt (der sich im Nachhinein als sehr gut herausstellte) und nicht stillen. Bäm. Der Kampf war eröffnet. 

Mein Sohn war 2 Tage alt, wir waren noch im Krankenhaus, bekamen Besuch und die Tipps, Ratschläge und wie auch immer man es noch nennen will, gingen los. Und dann fangen die Gedanken an zu kreisen: Ist das alles richtig? Soll ich alles anders machen? Waren das richtige Entscheidungen? Muss ich jetzt wirklich "perfekt" sein? Haushalt und Baby, alles kein Problem, schafft man mit links. Ja, am Anfang war das kein Problem. Als er allerdings älter wurde und nicht mehr so oft schlafen wollte, beschäftigt werden und getröstet werden wollte wegen den gemeinen Zähnen, ging das nicht mal mehr eben so. Haushalt, Wäsche, einkaufen, Essen machen. Wer glaubt, dass das ein Kinderspiel ist, der liegt falsch. Alle um mich herum haben das aber "perfekt" hinbekommen. Jedenfalls nach aussen. Meine Zweifel wurden größer und ich saß heulend in der Ecke. Ich war nicht die, die ich sein wollte. Auch als Leonard bereits über 1 Jahr alt war und in die Krippe kam war ich nicht die Mutter, die ich eigentlich mal sein wollte. Und das ärgerte mich ganz massiv. Ich glaube nicht, dass ich damals eine schlechte Mutter war. Ich war nur anders. Das bin ich jetzt auch noch, ich entspreche in manchen Dingen nicht der "Norm", jedenfalls hier vor Ort oder was man so liest. Ich bin in einigen Dingen streng, in manchen gar nicht. Vieles sehe ich sehr locker und ich werde auch manchmal laut. Ich diskutiere ungern, besonders nicht, wenn sich eine Diskussion mit einem Kleinkind im Kreis dreht. Ich versuche ihn an alles heranzuführen, wenn er allerdings vorher schon schreit, dass er etwas nicht will, dann lass ich es. Er wird in knapp 3 Wochen 4, er kann Entscheidungen treffen. Nicht alle, aber ein paar und die überlasse ich ihm gerne. 

Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Jahren, dann ist das, dass es eigentlich gar keine "Norm" gibt. Denn jedes Kind ist anders und jede Mutter auch, also sollte jeder seinen eigenen Weg finden. Diese Erleuchtung kam mir erst als Leonard etwas über 2 Jahre alt war und wir so langsam richtig ein Team wurden und ich erneut schwanger war, als einige leise Stimmen mir flüsterten, ganz leise, damit es nicht jeder hört, wie toll sie es finden, dass ich nicht so bin wie der Rest, dass ich vieles einfach anders mache und mein Kind ein glückliches kleines Kerlchen ist, meistens gut drauf und wahnsinnig "pfiffig". 

Nach der zweiten schicksalshaften Schwangerschaft wurde eh alles anders, ich wurde anders, Leonard wurde anders. Tja, erst dann wurde ich so wie ich jetzt bin. Zweifel habe ich immer noch ab und an, wie jeder andere auch. Ratschläge und Tipps hole ich mir, wenn ich sie wirklich brauche, der Rest erfolgt weiterhin aus dem Bauch heraus. 
Ein Bekannter hat vor knapp einem Jahr zu mir gesagt: "Ob Du eine gute Mutter oder ein guter Vater warst, erfährst Du sowieso erst, wenn die Kinder groß sind und sie es Dir sagen. Alles was jetzt passiert ist ein Glücksspiel und keiner kennt die Regeln". Recht hat er. 
Manchmal bin ich tatsächlich wie meine Mutter, wie meine Tante, meine Oma und auch wie meine Cousine, selten, aber es kommt vor. Wenn mir das bewusst wird, freue ich mich tierisch. Ansonsten bin ich ich. Endlich. Ich bin nicht die Mutter, die ich sein wollte, aber ich denke und hoffe, dass Leonard irgendwann sagen wird " Ach, Mama, ich war ganz zufrieden mit Dir." Das würde mir schon reichen. 

Montag, 3. Februar 2014

Familienspaziergang.

Gestern war kurz Frühling in dieser eisigen Kälte und ich hatte die schlaue Idee, dass wir einen Spaziergang machen müssen als Familie mit Laufrad und allem drum und dran. Bloß raus bei dem Wetter. Gegen 14 Uhr habe ich also angemeldet, dass wir uns langsam mal fertig machen könnten. Bis ich dann fertig war, war es schon 15 Uhr, bis meine Männer fertig waren, war es fast 16 Uhr ( soll noch mal einer sagen nur Frauen bräuchten so lange, pah!). 
Ein langer Spaziergang war schon nicht mehr drin, weil ich auch noch Essen vorbereiten wollte, Sonntags bin ich da ja etwas pingelig (auch erst neuerdings, also keine Angst, keine Supermutti ;) ). 

Da wir mitten in der Natur wohnen und man von überall aus schon fast im Wald steht oder an einen See kommt, dachte ich mir, ach komm, laufen wir einmal schnell die Standard-Runde und sind so in maximal einer Stunde wieder zu Hause. Schaffen wir locker, ist alles noch gut in der Zeit. Ich hatte dabei meinen Mann vergessen..... 
Er ist ja hier in unserer schönen Waldgemeinde aufgewachsen und meint ab und an mir neue Wege zeigen zu müssen durch den Wald. Geht ganz schnell meinte er, einmal rechts, geradeaus, dann links und dann sind wir schon wieder fast auf dem Weg nach Hause. Da ist er früher immer mit dem Fahrrad lang gefahren und das ist ein totaaaaaaaal schöner Weg. 
Leonard fuhr auf seinem Laufrad mit meinem Mann grinsend dahinter laufend vorneweg und ich trabte hinter her und dachte mir, gut, er wird den Weg wohl kennen. Da ich ihn ja lange genug kenne fragte ich nur einmal kurz "Aber Du findest den Weg wieder nach Hause, ja? Auch ohne Handy und so und weisst wo wir lang müssen?". Sicher weiss er das, klar finden wir nach Hause, was ich immer hätte, er ist schließlich tausendmal da lang gefahren, alles gar kein Thema. Also gingen wir weiter. War auch schön, so auf einer kleinen Landstrasse mitten im Wald, kein Mensch zu sehen, kein Auto zu hören (den Autobahnlärm denk ich mir einfach mal jetzt ganz romantisch weg).
Damit ihr wisst, wie schön es war hier mal ein paar Eindrücke:





Wir liefen ein Stück weiter und ich dachte mir schon irgendwie "Hmmm... eigentlich müssten wir doch langsam mal nach links, sonst landen wir noch sonst wo" und hätte mich eigentlich wundern müssen, dass mein Mann dauernd auf sein Handy starrte, aber ich dachte ja immer noch er kennt den Weg. 
Ein wenig später standen wir hier: 


Und was soll ich sagen? Wir hätten links lang gemusst! Wir liefen aber in die andere Richtung, weil der hier aufgewachsene Mensch ohne Orientierungssinn der Meinung war, dann kommt er genau dahin wo er hin will (wo oder was das jetzt wirklich war weiß ich leider auch nicht so genau). Plötzlich blieb er stehen und sagte "Oh. Das wird wohl einer längerer Weg. Ach, egal, Frischluft tut uns allen gut! Zum Glück hab ich ja eine Taschenlampe mitgenommen, falls es dunkel wird." Ah ja. Wir waren bereits an der Grenze zum Nachbardorf und sind einmal quer durch den Ort gelaufen, der jetzt zum Glück nicht sooooooo groß ist, aber es ist schon Stück. 
So viel zum Thema "Geht schnell und wir sind ruckzuck wieder da". Wir sind dann durch das Zentrum wieder zurückgelaufen (endlich Gefilde in denen ich mich auch wieder auskannte! Juhuuuu!)  kamen tatsächlich erst im Dunklen zu Hause an und waren alle sowas von platt! 




Zwischendurch hat der kleine Löwe noch die Hälfte seiner heißgeliebten Turtels-Klingel vom Lenker seines Laufrads verloren, musste Papas Handschuhe anziehen, weil seine Hände kalt wurden und ich natürlich für die "kurze" Strecke keine mit hatte (" MAMA, meine Hände sind schon roooooohooooot!!". Ich alte Rabenmutter, aber wer nimmt für eine geplante Strecke von max. einer Stunde bei 6 Grad Handschuhe mit ?!), ich wollte zwischendurch aufgeben und mit der U-Bahn nach Hause fahren (3 Minuten Fahrtzeit, aber hey, nicht mehr laufen!!), die Bahn war dann aber schon weg und die nächste fuhr erst 20 Minuten später, da konnte ich dann auch laufen, ist immerhin besser als in der Kälte stehen. 
Der Sonntagsbraten fiel auch aus, stattdessen gab es erst einen heissen Kakao mit Marshmallows und dann Spaghetti mit Tomatensauce ("Fredericoooo, Essen ist fertig") und den Braten gibt es dann halt mal Montags, ist ja auch mal schön.

Das war also unser Spaziergang. Jetzt kann ich darüber lachen, ich konnte schöne Bilder knipsen und ich habe tatsächlich mal wieder neue Ecken kennengelernt. Gestern fand ich das zwischendurch allerdings nicht so lustig. Besonders nicht mehr als das Ortsschild durchgestrichen war und mir bewusst wurde, wo wir uns gerade befinde und wie weit es noch bis nach Hause ist. Ja, ich bin da eine kleine Memme und Nörglerin, ich gebe es zu, ich mag nicht gern spazieren gehen. Freiwillig mache ich das erst seitdem ich ein Kind habe... So bin ich ;)